Lavendelfeld in Stapel

Seit einigen Jahren werden auch in Deutschland Lavendelfelder angelegt. Es hat sich herausgestellt, das besonders der Heillavendel auch bei uns gut wächst.

Lavendelfeld in Stapel
Lavendelfeld in Stapel

Die ist wohl auch auf den Klimawandel zurück zu führen. Die Winter sind milder und die Sommer wärmer. Obwohl der Heillavendel am Naturstandort in Höhen von etwa 800 m auf kalkhaltigem wasserdurchlässigen Boden wächst, so kommt er auch mit mageren sandigen Böden zurecht.

Wo gibt es Lavendelfelder in Deutschland?

Hier muss man ein wenig suchen, denn oft handelt es sich um kleinere Flächen, die versuchsweise angelegt werden. Als Alternative oder zusätzliche Einnahmequelle in der Landwirtschaft und im Weinbau werden meistens Flächen von einem Hektar angelegt. Meistens stellt sich dann heraus, dass die Pflanze sehr gut wächst und gedeiht. Was jedoch viel bedeutender ist, ist die Qualität des Öles, denn darum geht es. Und auch dieses ist in den meisten Fällen sehr zufriedenstellend.

Lavendelfeld-Deutschland

So gibt es in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Lavendelfelder in nennenswerter Größe, die professionell betrieben werden.

Kleinere Lavendelfelder im privaten Garten sind ebenso häufig zu finden. Oftmals werden diese zur Freude der Bienen, Schmetterlinge und der beruhigenden Stimmung angelegt. Der Sonnenuntergang über einem blühenden Lavendelfeld gehört zu den stimmungsvollsten Bildern.

Lavendelfeld in Niedersachsen

Lavendelfelder in Niedersachsen sind bisher selten, da hier die Witterungsverhältnisse den Pflanzen mehr abverlangen als in den wärmeren Regionen Deutschlands. In den letzten Jahren hat sich dies allerdings geändert. Das bislang nördlichste Lavendelfeld befindet sich in Horstedt -Stapel, etwa 40 km nordöstlich von Bremen.

Anlegen eines Lavendelfeldes, erstes Jahr

Auf einer grünen Wiese, die eigentlich eine Fläche voller Quecke war, sollte das Lavendelfeld entstehen. Der Platz liegt in Südwest-Lage, ist also ideal und für Lavendel genau richtig. Mit einem Trick aus der Permakultur will man das lästige Jäten umgehen. Zu diesem Zweck wird die gesamte Fläche mit Pappe abgedeckt.

ausrollen von Pappe
Pappe wird ausgerollt

Die gibt es auf Rollen zu kaufen, man kann natürlich auch Pappe von Versandkartons oder ähnlichem sammeln. Bei einer Größe von 1000 m² muss man allerdings lange sammeln…

Pünktlich kommt der Kompost angeliefert. Der wird am Rande des Feldes abgekippt. Ende April ist es noch nicht so heiß und es lässt sich gut arbeiten. Der Kompost dampft noch in der Morgenkühle und nun geht es an’s verteilen. Für die Fläche von 1000 m² wird 200 m³ Kompost benötigt.

Kompost wird abgekippt
Schön gleichmäßig, Jungs.

Stück für Stück wird die Pappe ausgerollt und der Kompost darauf verteilt. Um die Pappe nicht zu zerstören, wird diese nur vorsichtig betreten. Der Radlader kippt kleine Häufchen, die dann mit der Harke verteilt werden. Es wird 20 cm Kompost auf die Pappe aufgebracht. So wird nach und nach die gesamte Fläche bestückt. Im ersten Jahr wird Gründünger aufgebracht.

Die Pappe weicht langsam auf, die Quecke stirbt langsam ab, die Gründüngung durchwurzelt den Kompost und dann den darunter liegenden Boden. Von Vorteil ist ein tief wurzelnder Gründünger wie etwas Ölrettich. Die Wurzeln dringen in tiefere Bodenschichten vor und lockern diesen auf. Man braucht also nicht zu jäten oder die Quecke vorher zu entfernen.

Lavendelblüte

Nun heißt es warten. In der Zwischenzeit wurden die Lavendelpflanzen bei uns in der Gärtnerei vorgezogen. Die Wahl fiel auf die Lavendel-Sorte ‚Hidcote Blue‘, denn diese blüht in warmen Sommern nach einem frühen Schnitt ein zweites Mal. Sie hat sehr dunkle Blüten, die auch nach dem Trocknen ihre Farbe noch lange behalten.

Im April wird gesteckt, im Juli getopft. Die Pflanzen überwintern bei 3°C im Gewächshaus. Vom Stecken bis zur Pflanzung vergeht ein Jahr. Zum Zeitpunkt der Pflanzung sind die Lavendelpflanzen etwa 10 cm hoch. Sie wurden bereits zwei Mal geschnitten, um einen kompakten Wuchs anzuregen.

Einheitliche Sorten pflanzen

Der Vorteil einer reinen Sortenpflanzung liegt im einheitlichen Ergebnis bei der Ernte. Für die weitere Verarbeitung ist es für Bauern und Produzenten vorteilhaft, mit möglichst wenigen Variablen rechnen zu müssen. Klima, Wasser und Boden tun schon ihr Übriges, um den Lavendelbauern um seine Ernte bangen zu lassen.

In der Provence wurde Lavendel früher ausgesät. Bei einer Aussaat ist eine größere genetische Vielfalt gegeben. Jede Pflanze besitzt ihren eigenen genetischen Code, welches sich in unterschiedlichem Wuchs, Größe und Duft äußert. Das kann von Vorteil sein, zumal dann ein breiteres Spektrum an Düften herrscht. Andererseits kann es aber auch gerade durch die unterschiedlichen Duftnuancen vorkommen, das das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Außerdem haben die Pflanzen eine unterschiedlichen Wuchshöhe, welche die Ernte erschweren kann.

Pflanzung des Lavendelfeldes, zweites Jahr

Ähnlich wie in der Provence werden die jungen Lavendelpflanzen auf kleinen Hügeln gesetzt.

Im Abstand von 30 cm haben sie Platz sich auszubreiten. Es wird ganz genau gearbeitet, das erleichtert später die Ernte.

Alle 30 cm ein Pflänzchen.

Im ersten Jahr wird noch mit Schläuchen bewässert. Die Pflanzen wachsen langsam, was vor Vorteil ist. Sie entwickeln mehr und hochwertiges ätherisches Öl, wenn sie einen mageren und trockenen Standort haben.

Jungpflanzen im ersten Jahr, Spätsommer

Die erste Ernte ist noch etwas übersichtlich, aber der erste Erfolg ist da. Es ist wichtig, das die Pflanzen trotz nur weniger Blüten geschnitten werden. Die recht zum buschigen Wachstum an und verringert das Verholzen.

Wie lange blüht Lavendel?

Lavendel blüht je nach Sorte von Ende Juli bis Anfang August. Man kann also mit der Wahl von früh und spät blühenden Sorten die Blütezeit und damit die Erntezeit verlängern.

Lavendel ernten

Die beste Zeit für die Lavendelernte ist ein sonniger Morgen am späten Vormittag. Dann ist der Tau verschwunden und die Blüten trocken. Je nach dem, was weiterhin mit den Blüten geschehen soll, ist der Zeitpunkt der Ernte unterschiedlich.

Für die Verarbeitung der getrockneten Blüten zu Duftsäckchen werden die leicht geöffneten Blüten geerntet.

Möchte man die Blüten zur Ölgewinnung ernten, so wartet man noch ab, bis diese leicht angewelkt sind. Dann ist der Anteil des ätherischen Öles am stärksten.

Die Lage des Lavendelfeldes

Das Stapeler Lavendelfeld befindet sich im Moorweg 6, 27367 Horstedt-Stapel. Betrieben wird das Feld von der Firma ARIES, die aus den getrockneten Lavendelblüten Duftkissen herstellt.

Es ist das wohl größte und nördlichste Feld in Deutschland. Als es 2013 angelegt wurde, war es durchaus ein Wagnis, denn die vorangegangenen Winter waren vor allem nass. Das mag Lavendel gar nicht. Vor allem Staunässe führt oft zu Pilzinfektionen. Es wurde daher mit Bedacht der Lavendel auf kleinen Hügeln angelegt, damit das Wasser gut abziehen kann.

Lavendel in voller Blüte

In den letzten Jahren war ein deutlicher Klimawandel zu spüren.

Es regnet weniger und die Jahresdurchschnittstemperatur steigt an. Bislang fühlt sich der Lavendel wohl und verspricht weiterhin eine reiche Ernte.

Lavendelfelder in der Provence

In der Provence wird seit etwa 100 Jahren professionell feldmäßig Lavendel angebaut. Die Provence gilt als die Wiege des Lavendelanbaus. In dieser Gegend wächst der Heillavendel wild. Er kommt in gebirgigen Regionen von über 800 m vor. Die Bauern in der Provence lebten vorwiegend von Schaf- und Ziegenzucht. Im Sommer, wenn ein wenig Zeit dafür erübrigt werden konnte, gingen die Familien in die Berge und ernteten den wilden Lavendel mit der Sichel. Die Blüte wurden destilliert um das wertvolle Öl zu gewinnen. Es wird vor allem zu Heilzwecken eingesetzt. Weiterhin wurde dieses edle Öl in der Parfümherstellung verwendet.

Höhere Erträge dank Lavandin-Züchtungen

Nachdem die Anfrage nach dem duftenden Öl immer mehr gestiegen war, wurde zu Anfang des 20sten Jahrhunderts statt des Lavendels in großem Stiel Lavandin angebaut. Diese Pflanze ist eine Kreuzung aus dem Echten Heillavendel und dem Speiklavendel. Sie hat sich natürlicherweise entwickelt und nun wurde sie ganz gezielt weitergezüchtet um bessere Erträge erzielen zu können. Eine der bedeutensten Sorten in Pierre Grosso, welche nach dem gleichnamigen Züchter benannt wurde.

Unterschied zwischen Heillavendel und Lavandin

Lavandula angustifolia

Heillavendel (Lavandula angustifolia) besitzt eine Blüte pro Stiel, sein Öl hat eine heilende Wirkung, der Duft ist dezent, weich und lieblich. Die Pflanze erreicht eine Höhe von etwa 60 cm. Die Ausbeute ist gering. Für ein Kilogramm geerntete Lavendelblüten erzielt man einen Marktwert von etwa 150 €.

Lavandula x intermedia

Lavandin (Lavandula x intermedia) besitzt drei Blüten pro Stiel, in seinem Öl ist ein hoher Anteil an Kampfer, welches seinen Duft aufdringlicher und stärker macht. Sein Öl ist jedoch bei weitem nicht so wertvoll. Es wird vor allem in der Herstellung von Seifen, Cremes und Waschpulver verwendet. Die Pflanzen können 80 cm und höher werden. Für ein kg geerntete Blüten erhält man etwa 20 €.

Fakten:
Bioland-Lavendelfeld von ARIES Umweltprodukte
Ort: Moorweg 6, 27367 Horstedt-Stapel
Größe: 1000m²
Sorte: Lavandula angustifolia ‚Hidcote Blue‘
Anzahl: 750 Pflanzen

Anja Walessa

Veröffentlicht von

Mein Name ist Anja Walessa, Jahrgang ’65. Meine Leidenschaften sind Gärtnern, Kochen, Fotografieren und Science Fiction Filme. Außerdem mag ich kleine pelzige Vierbeiner, in erster Linie Katzen.

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