Lavendel im Allgemeinen und im Besonderen

Oft höre ich den Spruch, dass Lavendel gegen Läuse hilft und man ihn deswegen zu Rosen setzten soll. Und wenn er nicht gegen Läuse an Rosen helfen soll, wird es trotzdem unter Rosen gesetzt, als ob es keinen anderen Rosenbegleitstauden gibt. Und wieso hilft er gegen Läuse? Fragen über Fragen.

Die Gattung umfasst etwa 20 Lavendelarten, die in erster Linie im Mittelmeerraum und vereinzelt auf den Kanarischen Inseln zuhause sind. Allen ist eine reichliche Versamung eigen, da sie in trockenen Regionen zuhause sind, in denen es auch mal ein Jahr lang nicht regnet und viele Pflanzen sterben. Außerdem sind sie durch Brände gefährdet. Da ist also eine gut Samenproduktion angebracht. Ich möchte die bei uns gängigen Lavendelsorten beschreiben und dazu ist eine schematische Darstellung ganz hilfreich.

Heillavendel- Lavandula angustifolia
Der schmalblättrige Lavendel oder auch Heillavendel. Seine äußeren Merkmale sind ein kurzer Blütenstand, eine dichte Blüte, die kompakt wirkt und feines Laub. In der Regel werden die Pflanzen etwa 50 cm hoch. Der Blütenstand steht 10 cm über dem Laub. Er ist bei uns gut winterhart. Er kann sogar in Norwegen stehen, bildet dort aber keinen Samen aus. Seine ätherischen Öle sind sehr wertvoll, da sie heilende Eigenschaften haben. Sie helfen bei Verbrennungen, Insektenstichen und Schwellungen. Schmalblättriger Lavendel gehört zu den beliebtesten Lavendeln. Typischerweise wird er in Sträußen gebunden und zur Raumbeduftung eingesetzt. Die Pflanzen sind langlebig und vertragen einen starken Rückschnitt.

Eine bekannte Sorten ist ‚Hidcote Blue‘. Er ist in Hidcote Manor, in der englischen Grafschaft Goustershire, gezüchtet worden. Die Sorte ‚Hidcote Blue‘ gehört zu den beliebtesten Sorten und zeichnet sich durch eine dunkle Blüte aus. Weitere Lavandula angustifolia-Sorten sind:

‚Siesta‘, welcher eine frühe Sorte ist und nach einem Schnitt Ende Juni ein zweites Mal blüht, hier rechts im Bild
‚Reve de Jean Claude‘, welcher eine mittelblaue Blüte hervorbringt
‚Miss Kathrin‘, mit einer zart rosa farbenden Blüte
‚Dwarf Blue‘, mittelblau und ein Zwerg unter den Lavendeln, er wird etwa 30 cm hoch
‚Alba‘, eine weiße Sorte

Dies ist natürlich nur eine kleine Auswahl an Sorten.

Breitblättriger Lavendel, Speiklavendel – Lavandula latifolia
Breitblättriger Lavendel wird auch Speiklavendel genannt. Er hat wie der Name schon sagt ein breites Blatt und eine eher ins magenta gehende Blütenfarbe. In seinem ätherischen Ölen ist viel Kampferöl enthalten. Es wird in erste Linie in der Pharmazie als Heilöl eingesetzt. Seinen Duft empfinden die meisten Menschen als nicht sehr angenehm, da es sehr herb ist. Es duften auch eher die Blätter, als die Blüten. Dies mag ein Grund sein, weshalb er in den Gärten nicht oft zu finden ist. Er ist auch nicht ganz winterhart und bedarf eines Winterschutzes.

Provence-Lavendel- Lavandula x intermedia
Provencelavendel oder Lavandin ist eine Kreuzung zwischen dem schmalblättrigen und dem breitblättrigen Lavendel. Die ersten natürlichen Bastarde wurden in Frankreich entdeckt und für die Pafümindustrie selektiert und gezüchtet.

Seine äußeren Merkmale sind ein sehr hoher Blütenstengel über dem Laub, große, buschige Pflanzen und eine lockere Blüte. Provencelavendel ist nicht so winterhart, besonders kalte Ostwinde im Winter machen ihm zu schaffen. Ältere Pflanzen haben die Eigenschaft des Auskahlens. Besonders wenn der Standort falsch gewählt ist und er zu dicht steht, kommt kaum Sonne in das Innere der Pflanze. Dann werden nur noch an den äußeren Trieben Blätter gebildet. Provencelavendel sollte daher regelmäßig im Frühjahr geschnitten werden.

Einige Sorten werden 80 cm hoch. Ihr ätherisches Öl ist nicht so wertvoll wie das des Schmalblättrigen Lavendels und wird in erste Linie in der Pafümindustie eingesetzt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Öles ist Kampfer. Und hier kommen wir dem Geheimnis der Blattläuse auf die Spur.

Lavendel gegen Blattläuse
Blattläuse treten meistens in Massen auf. Sie stechen Blätter von Pflanzen an und ernähren sich vom Pflanzensaft. Ihre Ausscheidungen werden von Ameisen eingesammelt und an deren Larven verfüttern. Der sogenannte Honigtau ist eine wertvolle Nahrungsquelle für die Ameisen und sie beschützen die Blattläuse vor Fressfeinden, zum Beispiel den Marienkäfer. So hat jeder seinen Vorteil, nur die Marienkäfer haben das Nachsehen. Eine Sache jedoch mögen Ameisen überhaupt nicht und das ist der Geruch von Kampfer. Hier kommt der Provencelavendel ins Spiel. Wie bereits erwähnt, enthält sein ätherisches Öl Kampferöl. Pflanzt man diese Art zu Rosen, bleiben die Ameisen fern und die Marienkäfer haben ein leichtes Spiel mit den Blattläusen.
Provencelavendel hilft also nicht gegen Blattläuse, sondern gegen Ameisen. Legt man geschnittenes Laub oder Blüten über eine Ameisenstraße, verschwinden diese an der Stelle.

Provencelavendel im Garten
Provencelavendel vereint also einen angenehmen Blütenduft mit großem Wuchs. Er ist nicht ganz so winterhart wie der Schmalblättrige Lavendel. Kahlfröste machen ihm zu schaffen, aber auch anhaltende Nässe im Frühjahr. Ein Winterschutz ist meistens angesagt. Einige Sorten sind auf Winterhärte gezüchtet. Zu nennen wären da ‚Grappenhal‘ und ‚Nizza‘.
Die berühmteste Sorte ist ‚Pierre Grosso‘, benannt nach einem französischen Züchter, der diese Sorte im letzten Jahrhundert für die Pafümindustie entwickelt hat.
‚Dutch‘ ist ebenfalls eine robuste Sorte, die zudem mit 80 cm besonders hoch wird. Bild siehe oben
Schneidet man Provencelavendel gleich nach der Blüte, treiben die meisten Sorten im August eine Zweite nach.

Wolliger Lavendel- Lavandula lanata
Wolliger Lavendel kommt aus Spanien und hat sehr behaarte breite Blätter. Er ist an ein trockenes heißes Klima bestens angepasst. Seine Blattbehaarung dient als Verdunstungsschutz. Er ist bei uns kaum in den Gärten zu finden, da er nässeempfindlich ist.

In den Gärtnereien ist eine schöne Kreuzung aus Wolllavendel und Heillavendel zu finden. Der Lavendel ‚Richard Grey‘ Lavandula x lanata zeichnet sich durch einen kompakten Wuchs aus, hat einen schönen Duft und blüht mit dunkelmagentafarbender Blüte über sehr hellem Laub. Leider ist auch diese Züchtung aus Groß Britannien bei uns nicht ganz winterhart.

Lavendel und Rosen, passt das überhaupt?
Das mit den Blattläusen war ja nun geklärt. Provencelavendel passt also genau so gut unter Rosen wie auch unter Beerenobst, Apfelbäume oder sonst wie.

Vom Standort her eignet sich auch nur der Provencelavendel, denn er braucht ein wenig mehr Wasser, als der schmalblättrige Lavendel. Würde man diesen zu Rosen setzten, kämen mastige Pflanzen heraus, die kaum duften, denn das Geheimnis des Lavendelduftes ist der Standort. Schmalblättriger Lavendel möchte einen mageren Standort in durchlässigem Boden, wenig Dünger und man sollte so gut wie gar nicht Gießen. Dann bekommt man kompakte Pflanzen, die viel ätherisches Öl produzieren.

Provencelavendel wächst auch am Naturstandort in tieferen Lagen, wo sich eher Tau sammelt. Er hat also einen ähnlichen Wasserbedarf wie Rosen.
Grundsätzlich sieht Lavendel zu Rosen schön aus, aber für meinen Geschmack ist diese Kombination ein wenig überstrapaziert.
Es gibt so viele andere Pflanzen, die ebenfalls zeitgleich blühen, den Rosenfuß beschatten und ein schönes Bild bieten. Gerade wenn die Rosen einen breiten buschigen Wuchs haben und der Standort darunter eher im Halbschatten liegt, sollte man beispielsweise auf Rosenmeister oder Veronika (siehe oben) zurückgreifen. Diese Stauden entsprechen viel eher den Standortansprüchen, als Lavendel.

Anja Walessa

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Mein Name ist Anja Walessa, Jahrgang ’65. Meine Leidenschaften sind Gärtnern, Kochen, Fotografieren und Science Fiction Filme. Außerdem mag ich kleine pelzige Vierbeiner, in erster Linie Katzen.

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